Die junge Frau am Friseursessel zögert kurz, bevor sie antwortet. „Also … wann hast du dir zuletzt die Haare gefärbt?“ fragt ihre Stylistin, während die Finger schon durch die ausgewaschenen kupfernen Längen kämmen. Sie zählt im Kopf rückwärts. Der Blondier-Versuch im Lockdown. Das Trennungs-Braun. Das spontane Drogerie-Rot vor zwei Wochen. „Äh … vor Kurzem“, murmelt sie und hofft, dass ihr Haar nicht gleich beim Waschbecken abbricht. Die Stylistin macht dieses winzige, wissende Nicken, das Friseur*innen draufhaben, wenn sie schon alles gesehen haben. Die Folien rascheln. Die Blondierschüssel landet mit einem leisen Klirren auf der Ablage. Es liegt ein zarter Geruch von Chemie und Kaffee in der Luft.
Wir lieben die Verwandlung. Wir fürchten den Schaden.
Wie weit kannst du es tatsächlich treiben, bis dein Haar sagt: „Ich bin fertig“?
Also: Wie oft kannst du deine Haare wirklich färben?
Die meisten Coloristinnen sind sich stillschweigend bei einer Sache einig: Dein Haar hat seinen eigenen Kalender. Nicht den am Handy – den in der Schuppenschicht. Bei permanenter Farbe, die deinen Naturton aufhellt oder abdunkelt, gilt als gesunder Rhythmus meist: alle 6 bis 8 Wochen. Das gibt der Cuticula Zeit, sich wieder zu „beruhigen“, und der Kopfhaut Zeit zum Durchatmen. Semi-permanente Farben, die eher umhüllen statt tiefgreifend zu verändern, kann man etwas öfter wiederholen – ungefähr alle 3 bis 4 Wochen.
Die versteckte Variable ist, *was du jedes Mal machst. Ein sanftes Ansatz-Update ist eine ganz andere Geschichte als eine komplette Blondierung auf ohnehin schon fragilen Spitzen.
Stell dir drei Freundinnen vor. Maria wird einmal im Jahr Platinblond und macht dann nur alle 8 Wochen den Ansatz. Ihre Haare sind immer noch weich und glänzend. Kenzie wechselt jeden Monat von Blau zu Pink zu Neonorange, überfärbt ständig und nutzt aggressive Entferner. Ihre Haare brechen schon beim Bürsten. Und Sam frischt alle 7 Wochen unauffällig ihr Braun mit einer sanften Farbe und regelmäßigen Masken auf; niemand merkt überhaupt, dass sie färbt.
Gleiches Kalenderjahr. Komplett anderes „Haaralter“. Eine US-Umfrage aus 2021 (große Salon-Kette) ergab, dass Frauen, die alle 4 Wochen mit High-Lift-Farben färbten, doppelt so viel Haarbruch berichteten wie jene, die auf 8 Wochen oder länger streckten. Dein Zeitplan zeigt sich in deinen Splissspitzen.
Die Wissenschaft dahinter ist recht simpel. Permanente Farbe und Blondierung öffnen die Schuppenschicht, damit Pigmente hinein können oder Melanin „herausgehoben“ wird. Passiert das zu oft, bekommt die schützende Außenschicht keine Chance, sich ordentlich wieder zu schließen. Ergebnis: hohe Porosität, Trockenheit, Frizz, stumpfe Längen, dieses strohige Gefühl in den Spitzen. Gesundes Haar ist wie ein guter Stoff: Man kann ihn nur so oft waschen und dehnen, bis die Fasern dünn werden.
Darum ziehen viele Profis eine harte Grenze bei zwei Vollblondierungen kurz hintereinander – auch wenn du um „Weißblond bis Samstag“ bittest.
Warnsignale lesen: Was dir dein Haar sagen will
Der verlässlichste Färbeplan steht nicht auf einer Packung – er steht auf deinen Strähnen. Mach nach dem Waschen und Trocknen einen einfachen Test: Nimm ein ausgefallenes Haar aus der Bürste, halte es an beiden Enden und zieh es sanft auseinander. Wenn es sofort wie ein trockenes Ästchen reißt, bist du bereits am Limit. Wenn es sich ein wenig dehnt und wieder zurückfedert, ist noch etwas Elastizität da.
Dieser Mini-Check daheim sagt dir oft mehr als jedes Werbeversprechen. Wenn sich die Strähne wie Kaugummi verhält – ewig dehnt und nicht zurückspringt – ist das nicht „Elastizität“, das ist Schaden.
Ein weiteres Zeichen ist, wie sich dein Haar im Alltag verhält. „Trinkt“ es Conditioner und fühlt sich trotzdem rau an? Sind die Spitzen permanent verknotet, egal wie vorsichtig du kämmst? Werden früher knallige Rottöne oder satte Brauntöne nach nur ein, zwei Wochen zu einem traurigen, ausgewaschenen Ton? Das ist meistens ein Hinweis, dass die Schuppenschicht so offen ist, dass Pigmente nicht mehr halten.
Wir kennen alle diesen Moment, wo das Haar eher müde wirkt als frisch gefärbt – als bräuchte es mehr Pause als noch ein „Refresh“. Diese Warnlichter zu ignorieren schickt viele direkt in die Haarbruch-Zone.
Auf der Kopfhaut gilt: Kribbeln, das in Brennen übergeht, ist ein klares Stoppschild. Ein bisschen Wärme kann normal sein, vor allem bei Blondierung. Starkes Stechen, heftiger Juckreiz oder das Gefühl, der Kopf brennt? Keine Farbe ist das wert. Die Hautbarriere kann mit der Zeit sensibilisiert werden – besonders wenn zu häufig am ganzen Kopf gearbeitet wird. Seien wir ehrlich: Niemand macht das täglich. Aber wenn du alle paar Wochen die kompletten Längen mitbehandelst, überprozessierst du aus Versehen sowohl Kopfhaut als auch Spitzen.
Termine zu strecken hat weniger mit „Regeln“ zu tun als mit Zuhören. Wenn jede Session dazu führt, dass du schwerere Produkte brauchst, nur damit’s halbwegs gut aussieht, passt dein Rhythmus nicht.
Smarte Färbe-Gewohnheiten, die dein Haar schützen
Ein leiser, aber sehr wirksamer Trick: Konzentrier dich nur auf den Ansatz. Wenn der Nachwuchs kommt, permanent nur den Ansatz färben – und in den Längen lieber mit Glossing oder Toner arbeiten. So triffst du die gleichen empfindlichen Spitzen nicht immer wieder mit aggressiver Chemie. Viele Colorist*innen nennen das die „Stretch & Protect“-Methode. Dein Haar wächst etwa 1 bis 1,5 Zentimeter pro Monat – genau dafür sind Ansatz-Services gedacht.
Damit bleibt struktureller Schaden dort, wo man ihn am leichtesten wegschneiden kann: näher am Ansatz und in den Mittellängen, statt sich ganz unten an den Spitzen zu sammeln, wo er am auffälligsten ist.
Feuchtigkeit und Protein beeinflussen ebenfalls, wie oft du sicher färben kannst. Eine wöchentliche Intensivmaske mit Bond-Building-Wirkstoffen oder Proteinen kann dir zwischen Terminen wortwörtlich Zeit „kaufen“. Umgekehrt gilt: Tägliches Hitzestyling plus häufiges Färben ist wie ein Marathon ohne Schlaf. Es geht vielleicht eine Zeit lang gut – und dann kippt’s plötzlich in massiven Haarbruch.
Wenn Budget oder Zeit knapp sind, wechsel professionelle Voll-Färbetermine mit schonenderen Optionen daheim ab: getönte Conditioner, Ansatz-Spray oder farbdepositierende Masken. Die schreiben deinen Naturton nicht um, sie sitzen nur an der Oberfläche. Weniger Drama für die Strähnen, gleiches „frisch“-Gefühl beim Blick in den Spiegel.
„Haare halten viel aus, wenn man ihre Heilungszeit respektiert“, sagt die Londoner Coloristin Amélie R., spezialisiert auf Blond. „Ich sag meinen Kundinnen: Ansatz alle 6–8 Wochen bei permanenter Farbe, Längen maximal alle 3–4 Monate, und keine Vollblondierung zweimal in einem Monat. Wenn wir schnell eine große Veränderung brauchen, machen wir’s in Etappen, statt das Haar in einem Durchgang zu verbrennen.“
- Permanente Farbe am Ansatz: alle 6–8 Wochen, nicht alle 3–4
- Vollblondierung oder drastische Aufhellung: 8–12 Wochen Abstand, dazwischen Aufbaupflege
- Semi-permanente oder Direktzieher: alle 3–4 Wochen, besonders wenn ammoniakfrei
- Gloss, Toner oder Color-Refresh-Masken: monatlich möglich, teils sogar alle 2 Wochen bei „widerspenstigem“ Haar
- Komplettfärbung in den Längen: idealerweise auf 2–4× pro Jahr begrenzen (bei den meisten Haartypen)
Deinen persönlichen „sicheren Rhythmus“ mit Haarfarbe finden
Es gibt keine magische Zahl, die für alle passt. Dickes, kräftiges, naturbelassenes Haar verträgt oft häufigeres Färben als sehr feines Haar, das schon blondiert ist. Lockiges Haar ist von Natur aus eher trocken – darum braucht es meist längere Pausen zwischen starken chemischen Prozessen, auch wenn der Ansatz „schreit: mach mich“. Am g’scheitesten ist, Profi-Richtwerte als Startpunkt zu nehmen und dann über drei bis vier Färbezyklen zu beobachten, wie dein Haar reagiert.
Wenn sich dein Haar eine Woche nach dem Färben jedes Mal ungefähr gleich anfühlt, bist du wahrscheinlich in einem sicheren Bereich. Wenn die „Erholungszeit“ nach jedem Färben länger wird, ist das dein Zeichen, langsamer zu machen.
| Kernaussage | Detail | Nutzen für dich |
|---|---|---|
| Permanente Farbe richtig takten | Ansatz alle 6–8 Wochen, zwischen Vollkopf-Terminen länger pausieren | Reduziert kumulativen Schaden und Haarbruch |
| Warnsignale ernst nehmen | Reißende Strähnen, chronische Trockenheit, brennende Kopfhaut | Hilft, rechtzeitig anzupassen, bevor’s wirklich schlimm wird |
| Schonendere Alternativen nutzen | Glossings, semi-permanente Farben, farbdepositierende Masken | Veränderung genießen, ohne das Haar zu ruinieren |
FAQ:
- Frage 1 Kann ich meine Haare zweimal in einer Woche färben?
- Frage 2 Wie lange soll ich zwischen Blondier-Sessions warten?
- Frage 3 Ist Drogerie-Box-Farbe schädlicher als Salonfarbe?
- Frage 4 Können gesunde Haare wirklich jeden Monat Farbe vertragen?
- Frage 5 Was, wenn ich eine Farbe bereue und schnell ändern will?
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