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Schnelle Geher sind nicht gesünder, sondern einfach ängstlicher und unsicherer.

Mann geht auf Gehsteig; Papier liegt auf dem Boden unterhalb der rechten Hand einer sich rasch nähernden Person.

An am Schutzweg wird’s grün, und die kleine Menschentraub schwappt auf die Straße. A Frau schießt nach vorn, die Taschn klatscht gegen d’Hüftn, der Blick irgendwo weit hinterm nächsten Häuserblock festg’pickt. Hinter ihr schlendert a älterer Herr, die Händ in die Taschen, und grinst an Hund an, dem offenbar völlig wurscht is, wer grad an Zeitplan hat. Du spürst den Unterschied im Körper, nur vom Zuschauen. Die eine schneidet durch die Stadt. Der andere lebt drin.

Uns wird seit Jahren eing’redt, dass der schnelle Geher der g’sunde is. Der „Fitte“. Der Disziplinierte.

Aber was, wenn des flinke Tempo nur a saubere Verkleidung für an rasenden Kopf is?

Schnelle Füß, unruhige Köpfe

Verbring nur a paar Minuten auf irgend an vollen Gehsteig, und du kannst den stummen inneren Monolog von den Schnellgehern fast hören: Hätt i auf des Mail zurückschreiben sollen. Bloß ned die Einkäufe vergessen. Warum hat der Chef heut in der Früh so komisch g’klungen. Ihre Schritte landen wie Satzzeichen in am Satz, der nie wirklich aufhört.

Von außen schaut’s effizient aus. Energetisch. Ehrgeizig. Innen fühlt’s sich oft an, als würdst von deine eigenen Gedanken g’jagt. Der Körper wird schneller, damit er mit’m Hirn mithalten kann.

Nimm die Laura, 32, die früher richtig stolz drauf war, „wie a New Yorkerin“ zu gehen – obwohl sie in am ruhigen Ort wohnt. Sie hat sich durch die Leut g’schlangelt, Ecken g’schnitten, ist no schnell über die Kreuzung, bevor’s Licht umspringt. Ihre Smartwatch hat’s g’liebt: Zehntausend Schritte vor’m Mittagessen, Puls erhöht, Kalorienverbrauch genau im Soll.

Dann hat sie was anderes zum Tracken ang’fangen: den Knoten im Magen, der nie weg war. Den Kieferschmerz vom Zusammenbeißen. Und wie sie überall ankommt: verschwitzt, leicht außer Atem – und trotzdem mit dem Gefühl, sie is zu spät. Am Papier gesund, im echten Leben an den Rändern ausgefranst.

Es gibt immer mehr Forschung, die Gehgeschwindigkeit mit Gesundheitswerten verbindet – oft nach dem Motto: „Schneller heißt g’sünder.“ Die riesige Nuance, die dabei verloren geht: Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Depression bewegen sich tendenziell langsamer, drum wird Tempo als Ersatzmaß für Gesundheit g’nommen. Aber des heißt noch lang ned, dass dich das Schnellergehen gesund macht.

Worüber ma selten red’n, is der psychologische Motor hinter dem Tempo: Angst, Überwachsamkeit, der dauernde Eindruck, man rennt a Leben hinterher, das immer schon an Schritt voraus is. Die Straße wird zum Laufband fürs Nervensystem.

Lernen, so zu gehen, als wärst wirklich lebendig

Wennst testen willst, was deine Gehgeschwindigkeit wirklich antreibt, dann mach beim nächsten Weg wohin Folgendes: Such dir an Punkt zwei Häuserblöcke weiter und verlangsame dein Tempo absichtlich um nur 10–15 %. Ned bummeln wie bei an Sonntagsausflug, nur a Spur langsamer als dein „Standard“. Spür, wie schnell dein Kopf protestiert.

Schau hin, was auftaucht: Gereiztheit. Unruhe. Gedanken wie „Dafür hab i ka Zeit“ – obwohlst eh ned z’spät bist. Diese Reibung is Information. Es geht ned drum, für immer langsam zu gehen. Es geht drum zu sehen, wie fest dein Körper an dein inneres G’hetz gebunden is.

A von den häufigsten Fallen is, das Gehen in die nächste Produktivitätskennzahl zu verwandeln: Schritte zählen, Kalorien rechnen, „aktive Minuten“ gamifizieren. Auf einmal fühlt sich a kurzer Gang zur Bäckerei verschwendet an, wenn er ned geloggt is, ned schnell, ned zielgerichtet.

Wennst di da wiedererkennst: Du bist ned kaputt. Du lebst nur in ana Kultur, die Geschwindigkeit als Tugend verkauft. Das Problem is: Dein Nervensystem kennt kan Unterschied zwischen schnell gehen, weil dich wer jagt, und schnell gehen, weil du an imaginären Zeitplan jagst. Mit der Zeit nutzt dich diese dauernde Alarmbereitschaft von innen ab.

Manchmal is des G’sündeste, was du tun kannst, zwei Minuten später anzukommen und dein eigenes Leben unter deine Füß wirklich zu spüren.

  • Merk dir dein „Standardtempo“
    Achte einen Tag lang drauf: Wirst automatisch schneller, wennst Stress hast – sogar bei kurzen Strecken?
  • Leg dir a „langsame Route“ an
    Nimm an regelmäßigen Weg (in die Arbeit, zur Bim, zum G’schäft) und mach daraus einmal oder zweimal die Woche bewusst deinen ruhigeren Weg.
  • Klemm bei einem Spaziergang am Tag ab
    Ka Podcast, ka Anruf, ka Nachrichten. Nur du, deine Schritte und die Welt rundherum – auch wenn’s nur fünf Minuten sind.
  • Änder die Frage
    Statt „Wie schnell bin i dort?“, probier: „Wie will i mi fühlen, wenn i dort bin?“

Wenn der Gehsteig zum Spiegel wird

Es gibt a stille Ehrlichkeit darin, wie ma sich bewegt, wenn keiner zuschaut. Früh in der Früh, leere Straßen, no ka Meeting, ka Uhr, die dir laut ins Ohr tickt. Oft zeigt sich genau dann dein echtes Tempo. Bist trotzdem am Hetzen, Schultern g’spannt, Blick starr nach vorn? Oder lasst endlich den Griff um die Zeit a bissl locker und die Schritte werden weicher?

Seien ma ehrlich: Keiner macht des jeden einzelnen Tag. Das Leben is chaotisch, und manche Tage san halt a Sprint. Aber wenn jeder Weg zum Rennen wird, glaubt dein Körper irgendwann, die Welt is a dauernder Notfall.

Kernpunkt Detail Nutzen für dich
Schnell is ned automatisch gesund Schnelle Geher können von Angst getrieben sein, ned von Fitness Hilft dir, automatische Glaubenssätze über Tempo und Wohlbefinden zu hinterfragen
Tempo kann inneren Druck anzeigen Gehetztes Gehen spiegelt oft mentale Überlastung und selbst gemachte Dringlichkeit Gibt dir a einfache Möglichkeit zu erkennen, wann dein Stress grad raufgeht
Tempo anpassen kann dein System beruhigen Kleine, bewusste Verlangsamungen regulieren dein Nervensystem Bietet a konkretes Alltagswerkzeug, um stabiler und geerdeter zu sein

FAQ:

  • Frage 1 Heißt schnelles Gehen immer, dass i ängstlich oder instabil bin?
  • Frage 2 Kann i fürs Training zügig gehen, ohne meine Angst zu füttern?
  • Frage 3 Woran merk i, ob mein Tempo stressgetrieben is oder einfach energiegeladen?
  • Frage 4 Ändert langsamer gehen wirklich, wie i mi emotional fühl?
  • Frage 5 Was, wenn Job oder Stadtleben mi zwingt, ständig schnell zu sein?

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