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Nicht einmal pro Woche oder jeden zweiten Tag: Hautarzt erklärt, wie oft wir Haare wirklich waschen sollten.

Frau überprüft ihr nasses Haar im Handspiegel im Badezimmer vor dem Waschbecken, im Hintergrund Pflanzen und Pflegeprodukte.

Auf der U-Bahn um 8:15 Uhr in der Früh erkennt man sie sofort. Die Frau, die sich die Haare zu einem hohen Dutt dreht und still betet, dass niemand den fettigen Ansatz sieht. Der Mann im Anzug, der sich durch den Pony fährt und dann schnell die Finger an der Hose abwischt. Der Teenager mit der Beanie, die ihm am Kopf klebt, obwohl’s im Waggon warm ist. Alle werden von derselben winzigen, lächerlichen Frage verfolgt: „Sind meine Haare … schmutzig?“

Wir fragen Freund*innen, scrollen durch TikTok-Routinen, hören auf die Regeln unserer Mütter aus den 90ern. Jeden Tag waschen. Nein, einmal pro Woche. Nein, jeden zweiten Tag. Alle sagen was anderes, und so richtig sicher ist niemand.

Und dann schaut eine ruhige Dermatologin uns an und sagt: Ihr stellt die falsche Frage.

Also: Wie oft sollten wir unsere Haare wirklich waschen?

Die Dermatologin Dr. Lina Ferrelli führt dieses Gespräch fast jeden einzelnen Tag in ihrer Ordination. Menschen kommen mit fettigem Ansatz, schuppiger Kopfhaut, brüchigen Längen – jede*r bewaffnet mit einer Routine, für die man sich halb schämt. Manche flüstern: „Ich wasch nur einmal pro Woche …“, als würden sie ein Verbrechen gestehen. Andere prahlen fast: „Tägliches Waschen, anders halt ich das Gefühl nicht aus.“

Sie lächelt jedes Mal gleich. Es gibt keinen heiligen Plan, der in Stein gemeißelt ist, erklärt sie. Es gibt nur deine Kopfhaut, deinen Alltag und das, was du dir auf den Kopf haust. Die alten Sprüche „jeden zweiten Tag“ oder „einmal pro Woche“ sind Abkürzungen – aber keine Wissenschaft.

Nimm Lea, 32, die in einer stressigen offenen Küche arbeitet. Hitze, Dampf, Fritteusen im Dauerbetrieb. Ihre Haare haben schon beim Heimkommen nach Essen gerochen. Sie hat versucht, der Online-Regel „maximal zweimal pro Woche“ zu folgen, damit die Kopfhaut „atmen kann“. Ergebnis: fettiger Ansatz, juckende Stellen und so ein stumpfer Film, den nicht einmal Trockenshampoo noch verstecken konnte.

Nach einem Besuch bei der Dermatologin ist sie auf ein mildes Shampoo umgestiegen und hat fast täglich gewaschen. Nach drei Wochen wurde die Rötung weniger, Unreinheiten am Haaransatz gingen zurück, und die Haare haben tatsächlich wieder lebendiger ausgeschaut. Nicht die Häufigkeit war der Feind – sondern das falsche Produkt und das falsche schlechte Gewissen.

Aus medizinischer Sicht ist die Kopfhaut Haut. Sie schwitzt, produziert Talg, sammelt Schmutz aus der Umgebung und Produktrückstände. Manche Kopfhaut ist wie trockene Wüste und produziert kaum Öl. Andere ist wie eine glänzende T-Zone um drei am Nachmittag – ständig speckig. Wenn man beide Typen in dieselbe „alle drei Tage“-Regel presst, leidet garantiert jemand.

Darum sprechen Dermatolog*innen in Spannen, nicht in starren Zahlen. Fettige Kopfhaut in einer verschmutzten Stadt und dazu Sport: fast täglich kann absolut sinnvoll sein. Trockene, lockige Haare mit Bürojob: alle 4–7 Tage kann perfekt passen. Der richtige Rhythmus ist der, der die Kopfhaut ruhig hält und die Längen nicht kaputtmacht.

Die echte Regel der Dermatologin: Hör auf deine Kopfhaut, nicht auf Trends

Die praktischste Methode, die Dr. Ferrelli beibringt, klingt fast enttäuschend simpel. Start dort, wo du gerade bist. Beobachte, wie sich deine Kopfhaut am Waschtag anfühlt, am zweiten Tag, am dritten. Juckt’s? Riecht’s ungut? Schaut’s platt oder strähnig aus? Oder fühlt sich’s noch recht frisch an? Dann passt du an – immer nur um einen Tag, nicht in riesigen Sprüngen.

Wenn du täglich wäschst und langsamer werden willst, geh zuerst auf alle 36–48 Stunden. Wenn du bei einmal pro Woche bist und dein Kopf sich ab Tag vier wie eine Pizza anfühlt, geh auf alle 3–4 Tage. Kleine Anpassungen schlagen radikale Haar-„Detox“-Aktionen, die dich nur elendig machen und im Job peinlich sind.

Viel vom schlechten Gewissen rund ums Haarewaschen kommt von Social-Media-Trends. In einem Monat redet jede*r vom „Scalp Training“ – zehn Tage nicht waschen. Im nächsten geht’s um doppelte Shampoos und Double-Cleansing nach jedem Gym-Besuch. Wir hängen zwischen Extremen fest und machen am Ende irgendwas, das überhaupt nicht zu unserem echten Leben passt.

Wir kennen alle diesen Moment, wo man Drinks absagt, weil die Haare in dieser komischen Phase sind zwischen „muss gewaschen werden“ und „keine Zeit, das gscheit zu richten“. Statt irgendeiner glänzenden Vorzeigeroutine zu folgen, ist der Ansatz der Dermatologin brutal pragmatisch: Was kannst du Woche für Woche durchziehen, ohne dich im Spiegel zu ärgern?

Hand aufs Herz: Das macht niemand jeden Tag. Das perfekte Haarritual aus dem Internet – mit Kopfhautpeelings, Masken, Seren und Lufttrocknen in der Sonne – passt einfach nicht zu den meisten Leben. Genau dort schleichen sich die größten Fehler ein: zu viel Trockenshampoo, das sich tagelang aufbaut, aggressive Tiefenreinigungsshampoos wie flüssige Strafe, Fingernägel, die beim schnellen Waschen die Kopfhaut aufkratzen wie Schmirgelpapier.

„Gesunde Haarhygiene geht nicht darum, ob man ‚sauber‘ oder ‚dreckig‘ ist“, sagt Dr. Ferrelli. „Es geht darum, die Kopfhaut als lebendige Haut zu respektieren und die Routine daran anzupassen – nicht an einen fixen Kalender.“

  • Wasch, wenn sich die Kopfhaut unangenehm anfühlt – nicht nur, weil der Kalender sagt „jetzt is’ Zeit“.
  • Nimm ein mildes Shampoo, das zu deinem Kopfhauttyp passt – nicht nur zur Haarlänge.
  • Ziel ist eine Häufigkeit, die du auch in deiner schlimmsten Woche schaffst – nicht nur in der besten.
  • Verwende Fingerkuppen statt Fingernägel und lauwarmes Wasser, um zusätzliche Reizung zu vermeiden.
  • Sehr starke bzw. klärende Shampoos nur gelegentlich als Reset – nicht täglich.

Deinen Rhythmus finden – und akzeptieren, dass er sich ändern kann

Wenn du aufhörst, nach der magischen Zahl zu suchen, und anfängst, deinen eigenen Kopf zu beobachten, ändert sich die Frage. In manchen Jahreszeiten brauchen die Haare mehr. Sommerhitze, Sonnencreme-Nebel, tägliches Training, Stadt-Smog: plötzlich wirkt tägliches Waschen mit einer milden Formel einfach logisch. In anderen Phasen – Winter mit Heizungsluft und Wollhauben – beruhigt längeres Auslassen die Kopfhaut, und die Spitzen werden weniger brüchig.

Hormone, Alter, Medikamente, sogar Stress im Job können die Talgproduktion verschieben. Eine Routine, die mit 25 perfekt war, kann sich mit 40 komplett falsch anfühlen. Der Schlüssel ist, nicht aus Stolz oder Angst vor „zu viel Waschen“ an einer Regel festzuhalten, sondern ohne Drama anzupassen – so wie man den Mantel wechselt, wenn’s Wetter umschlägt.

Kernpunkt Detail Nutzen für dich
Ideale Häufigkeit ist eine Spanne Von fast täglich bei öliger Kopfhaut und aktivem Alltag bis alle 4–7 Tage bei trockenen oder lockigen Haaren Hilft dir, eine Universalregel loszulassen und auf deine Kopfhaut zu schauen
Produktauswahl ist wichtiger als der Kalender Ein mildes, kopfhautgerechtes Shampoo kann öfter verwendet werden, ohne die Haare zu schädigen Du kannst so oft waschen, wie dein Alltag es verlangt – ohne unnötige Angst
Routinen sollen sich weiterentwickeln Jahreszeiten, Hormone, Stadt vs. Land und Sport verändern Talg und Schweiß Mehr Flexibilität und weniger Schuldgefühle, wenn die Haare „plötzlich“ einen neuen Rhythmus brauchen

FAQ:

  • Frage 1: Ist es automatisch schlecht, die Haare jeden Tag zu waschen?
    Antwort 1: Nein. Mit einem milden, sulfatfreien Shampoo, das zu einer öligen oder verschwitzt-en Kopfhaut passt, kann tägliches Waschen völlig okay sein. Probleme kommen meist von aggressiven Formeln, sehr heißem Wasser und grobem Schrubben – nicht vom Waschen an sich.

  • Frage 2: Kann ich meine Kopfhaut wirklich „trainieren“, weniger fettig zu sein, wenn ich seltener wasche?
    Antwort 2: Man kann manchmal ein „Rebound“-Nachfetten reduzieren, das durch zu starke Produkte ausgelöst wird – aber eine von Natur aus fettige Kopfhaut bleibt eher fettig. Etwas längere Abstände können den Komfort verbessern, doch sich zehn Tage durchzuquälen ändert selten die Biologie und führt oft nur zu Ablagerungen.

  • Frage 3: Ersetzt Trockenshampoo eine richtige Wäsche?
    Antwort 3: Nein. Trockenshampoo saugt überschüssiges Öl auf und lässt die Haare ein bis zwei Tage frischer wirken, entfernt aber weder Schweiß noch Schmutz aus der Luft oder Produktrückstände. Zu häufig ohne richtiges Waschen verwendet, kann es Follikel verstopfen und die Kopfhaut reizen.

  • Frage 4: Woran merk ich, dass ich zu selten wasche?
    Antwort 4: Anzeichen sind anhaltender Juckreiz, Schuppen, die nicht wie reine Trockenheit aussehen, unangenehmer Geruch, Pickel rund um den Haaransatz oder ein schweres, wachsiges Gefühl. Wenn das auf dich zutrifft: Häufigkeit leicht erhöhen und ein mildes, sanft reinigendes Shampoo überlegen.

  • Frage 5: Gibt es die „beste“ Tageszeit zum Haarewaschen?
    Antwort 5: Medizinisch nicht wirklich. Viele Dermatolog*innen bevorzugen abends bei empfindlicher Kopfhaut, weil Schweiß und Schmutz vor dem Schlafen abgewaschen werden. In der Früh passt es genauso, wenn du dann stylst. Nimm die Zeit, die du regelmäßig und ohne Stress einhalten kannst.

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