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Das tägliche Lieblingsgetränk der Hundertjährigen – und es schmeckt überraschend gut.

Ältere Person gießt Tee aus Glaskanne in Tasse, Zitrone und Honig daneben, im Hintergrund Kamille und Rezept.

Auf einer ruhigen Straße in Okinawa, kurz nach Sonnenaufgang, ist eine alte Frau in einer blauen Schürze auf ihre kleine Terrasse hinausgeschlurft. Sie hat weder nach einer Kaffeemaschine gegriffen noch nach einem grellen Mixer. Stattdessen hat sie einen verbeulten Metallkessel vom Herd genommen, eine dampfende, bernsteinfarbene Flüssigkeit in einen angeschlagenen Häferl gegossen und sich hingesetzt, als hätt sie das schon tausendmal gemacht. Ein Nachbar hat ihren Namen gerufen: „Haru-san, heut 101, gell?“ Sie hat gelacht, abgewunken und einen langsamen Schluck genommen, die Augen halb zu, als würd sie an einer Erinnerung kosten.

Kein Kollagenpulver. Kein neonfärbiges Energy-Gemisch. Nur Tee.

Eine halbe Welt weiter, auf Sardinien, in einem Dorf, wo fast jeder irgendwann den 90er feiert, wiederholt sich dasselbe Bild: eine alte Hand, eine einfache Tasse, ein stilles Ritual.

Und alle schwören auf dasselbe tägliche Getränk.

Das stille Ritual, das offen vor uns liegt

Das tägliche Getränk, zu dem Hundertjährige immer wieder zurückkehren, ist weder ein Wunder-Smoothie noch irgendein geheimes Promi-Gebräu. Es ist Tee. Schlicht, unaufgeregt, oft aus losen Blättern aufgebrüht, manchmal aus frischen Kräutern direkt aus einem Garten, der älter ist als Instagram.

In Okinawa ist es meistens grüner Tee, oft mit geröstetem Reis oder mit lokalen Kräutern. In Ikaria kann’s wilder Bergtee sein – Thymian, Salbei oder Zitronenmelisse. In einem kleinen Dorf an der Nicoya-Halbinsel in Costa Rica sitzen Ältere mit Schwarztee oder Kräuteraufgüssen da und nippen langsam zwischen ihren Geschichten.

Von außen schaut das fast zu einfach aus.

Verbring einmal einen Vormittag in einer sogenannten „Blue Zone“ – also in Regionen, die dafür bekannt sind, ungewöhnlich viele Hundertjährige zu haben – und dieses Muster springt dir ins Auge. Du siehst keine riesigen Trinkflaschen mit künstlichen Sirup-Gschmäckern. Du siehst keine Fünffach-Espressi, die im Stress hinuntergschüttet werden. Du siehst Kessel. Dampf. Zeit.

Eine Forscherin, die Sardinien besucht hat, hat einmal einen 99-jährigen Schäfer beschrieben, der von den Hügeln zurückkommt und sich beim Eingang mit einem kleinen Emaille-Häferl hinsetzt. Drinnen: starker Tee mit einer Zitronenscheibe. Er trinkt langsam, schaut auf die Straße und grüßt jeden, der vorbeigeht, mit demselben leichten Nicken.

Dort hat das keiner „Longevity-Hack“ genannt. Es war einfach das Leben.

Die Wissenschaft ist natürlich später gekommen und hat Namen dafür gefunden, was diese Leute seit Generationen machen. Grüner Tee? Reich an Catechinen und Antioxidantien, die Zellen vor Schäden schützen. Kräutertees wie Salbei oder Rosmarin? In Verbindung gebracht mit besserer Durchblutung und sanften entzündungshemmenden Effekten. Schwarztee? Assoziiert mit Herzgesundheit und stabilerem Blutdruck.

Aber jenseits der Chemie gibt’s den Rhythmus. Tee verlangt eine Pause: Wasser kochen, Blätter ziehen lassen, warten. Dieses kleine Zeitfenster wird zu einer täglichen Mini-Auszeit fürs Nervensystem. Du trinkst nicht nur etwas Warmes – du schaffst dir einen Mikro-Moment der Ruhe für Herz und Hirn.

Das ist der Teil, den die Wissenschaft schwer messen kann – aber jeder Hundertjährige versteht ihn instinktiv.

Wie langlebige Menschen ihren Tee wirklich trinken

Spannend ist nicht nur, was sie trinken. Sondern wie. Die meisten langlebigen Älteren hauen nicht einfach einen Teebeutel ins Häferl und scrollen TikTok, während sie’s runterkippen. Sie behandeln ihren täglichen Tee wie eine kleine Zeremonie – auch wenn sie das Wort nie verwenden würden.

Viele trinken ihn ungefähr zur selben Zeit jeden Tag. Frühmorgens, am Nachmittag oder am frühen Abend. Sie setzen sich hin. Sie halten die warme Tasse mit beiden Händen. Sie atmen den Duft ein, bevor der erste Schluck kommt. Manchmal allein, manchmal mit der Familie, manchmal mit Nachbarn.

Nichts daran ist hastig. Das ist das eigentliche Geheimnis im Häferl.

Wenn du dir davon was abschauen willst, fang simpel an. Nimm einen Tee, den du wirklich magst – grün, schwarz, Rooibos, Minze, Kamille, was auch immer dich anspricht – und verknüpf ihn mit einem fixen Moment in deinem Tag. Nach dem Frühstück. Direkt nach dem Ausloggen aus der Arbeit. Kurz vor deiner Abendserie.

Koch das Wasser ohne nebenbei noch zehn Sachen zu machen. Gieß es auf und lass ziehen, während du etwas Sanftes tust: dich strecken, aus dem Fenster schauen, den Hund streicheln. Dann setz dich hin – auch wenn’s nur fünf Minuten sind – und trink, ohne aufs Handy zu schauen.

Lass das Getränk der Hauptpunkt sein, nicht die Nebenrolle. Dein Nervensystem merkt das.

Da stolpern die meisten von uns. Wir machen sogar aus Tee eine Wellness-Performance. Wir kaufen acht verschiedene „Longevity-Blends“, eine fancy Glaskanne, ein Teesieb, das eine Bedienungsanleitung braucht – und dann … steht alles im Kastl. Seien wir ehrlich: Das macht niemand wirklich jeden einzelnen Tag.

Hundertjährige jagen keiner Perfektion nach. Sie wiederholen das, was machbar ist. Dieselben Blätter, dasselbe Häferl, fast jeden Tag, die Füße am selben Fleck Küchenboden. Eine Frau in Ikaria hat einer Forscherin erzählt, sie trinkt ihren Bergtee seit ihrer Hochzeit aus demselben angeschlagenen blauen Häferl.

Unser Fehler ist nicht, dass wir nicht wissen, was wir trinken sollen. Unser Fehler ist, dass wir die eine Gewohnheit verkomplizieren, die angenehm einfach sein sollte.

„Jeden Morgen trink ich meinen Tee und hör den Vögeln zu. Wenn ich’s auslass, fühlt sich mein Tag schief an“, hat ein 98-jähriger Mann in Nicoya einer Journalistin gesagt. „Der Tee ist nix Besonderes. Der Moment ist besonders.“

Um den Geist von seiner Routine zu übernehmen, brauchst keinen Pass. Du brauchst ein kleines, wiederholbares Ritual, das sich so gut anfühlt, dass du dich drauf freust. Eine Art täglicher Anker.

Probier, deinen Tee wie einen kleinen geschützten Raum zu behandeln und rundherum sanft aufzubauen:

  • Such dir ein Lieblingshäferl aus und verwend es nur für deinen täglichen Tee.
  • Nimm einen simplen Tee, den du wirklich trinkst – nicht einen, den du „solltest“.
  • Stell dir für deine „Tee-Zeit“ eine wiederkehrende Erinnerung, bis es automatisch wird.
  • Setz dich jeden Tag an denselben Platz – auch wenn’s nur ein Eck von der Couch ist.
  • Gib eine kleine Freude dazu: ein Buch, leise Musik, ein kurzer Plausch mit jemandem, den du gern hast.

Mehr als ein Getränk, weniger als ein Wunder

Die Hundertjährigen, die auf ihren täglichen Tee schwören, verklären das selten. Fragst sie, warum sie so alt geworden sind, zucken sie meist mit den Schultern und nennen Spazierengehen, Familie, Arbeiten mit den Händen, schlafen, wenn’s dunkel ist – und ja, ihren regelmäßigen Tee. Für sie ist das Getränk in ein ganzes Lebensgewebe eingewoben, das langsamer, gleichmäßiger und näher an echter Verbindung ist.

Tee allein macht niemanden zum Übermenschen. Und trotzdem hat so eine kleine, tröstliche Gewohnheit Kraft: Flüssigkeit, Pflanzenstoffe, die Zellen unterstützen können, und eine eingebaute Pause vom dauernden Tempo.

Du musst nicht warten, bis du in Pension auf einem sonnigen Hügel sitzt. Du kannst in einer engen Wohnung sein, in einer hektischen Stadt, in einer chaotischen Familienküche – und dir trotzdem dieses Fünf-Minuten-Fenster rausschneiden, wo heißes Wasser auf Blätter trifft und die Schultern ein Stückerl sinken.

Wir kennen’s alle: dieser Moment, in dem sich der Tag wie ein Rennen anfühlt, zu dem du dich nie angemeldet hast. Ein tägliches Tee-Ritual löscht das Rennen nicht aus. Es gibt dir nur eine stabile Bank am Rand der Laufbahn – einen Platz, um stehenzubleiben, zu atmen und dich zu erinnern, dass dein Körper mehr ist als Kalender und To-do-Liste.

Frag irgendeinen 100-Jährigen mit einer warmen Tasse in der Hand. Wahrscheinlich sagt er dir: Ja, das Getränk schmeckt. Aber der eigentliche Geschmack ist die Zeit, die du dir beim Trinken schenkst.

Kernaussage Detail Wert für dich
Tägliches Tee-Ritual Ein einfacher, wiederholbarer Moment pro Tag mit einem warmen Getränk Leichte, günstige Gewohnheit für Ruhe und Beständigkeit
Teesorte Grüner, schwarzer oder Kräutertee mit natürlichen Pflanzenstoffen Mögliche Vorteile für Herz, Zellen und Verdauung
Langsames, achtsames Tempo Trinken ohne Bildschirm, Multitasking oder Hektik Eingebaute Pause fürs Nervensystem und mehr Klarheit im Kopf

FAQ:

  • Was trinken Hundertjährige jeden Tag genau? Meistens simple Tees: grünen Tee in Okinawa, Kräuter-Bergtee in Ikaria, Schwarztee oder Kräutertee in Gegenden wie Sardinien und Nicoya – oft eher mild aufgebrüht und ohne viel Zucker.
  • Muss es grüner Tee sein, damit’s was bringt? Nein. Grüner Tee ist gut erforscht, aber Schwarztee, Rooibos und viele Kräutertees enthalten ebenfalls hilfreiche Pflanzenstoffe und können Flüssigkeitshaushalt und Entspannung unterstützen.
  • Wie viele Tassen pro Tag sollt ich trinken? Viele Studien sehen 2–4 Tassen als guten Bereich; viele langlebige Ältere liegen eher bei 1–3 Tassen über den Tag verteilt – je nach Koffein-Verträglichkeit.
  • Darf ich Milch, Zucker oder Honig dazugeben? Ja. Halt den Süßungsmittel-Anteil eher gering, wenn du’s täglich trinkst, und schau, wie sich dein Körper damit fühlt; manche Hundertjährige trinken ihn pur, andere mit ein bissl Honig oder Zitrone.
  • Wann ist die beste Zeit für den täglichen Tee? Nimm eine Zeit, die du an den meisten Tagen wiederholen kannst: frühmorgens, am Nachmittag oder am frühen Abend. Die Regelmäßigkeit und die Ruhe drumherum sind mindestens so wichtig wie die genaue Uhrzeit.

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